ZEITENWENDE

Liminale Recherchen

Christopher Rogers und der internationale Kunsthandel

Ein Tech-Milliardär investiert in Zukunftstechnologien, Kunst und historische Artefakte. Doch seine geschäftlichen Verbindungen und seine persönliche Zurückgezogenheit werfen Fragen auf.

Paparazzi_Christopher_Rogers_720 Christopher Rogers in einer Limousine am Berliner Hauptbahnhof. Es ist eines der wenigen Bilder, die dem Rechercheteam bislang vorliegen.

Christopher Rogers unterstützt über private Stiftungen und Beteiligungsgesellschaften Galerien, Sammler und Forschungsprojekte. Seine Interessen reichen von Gemälden und Skulpturen bis hin zu historischen Kulturgütern. Über ihn persönlich ist erstaunlich wenig bekannt: Verifizierte Pressefotos, öffentliche Auftritte und Interviews sind kaum zu finden.

Auch seine Aktivitäten auf dem Kunstmarkt sind schwer zu überblicken. An mehreren Transaktionen waren Zwischenhändler und private Gesellschaften beteiligt; bei einigen historischen Objekten sind die Angaben zu früheren Besitzern lückenhaft. Belege für illegale Geschäfte liegen nicht vor.

Zuletzt finanzierte Rogers eine internationale Ausstellung historischer Kulturgüter, deren Eröffnung kurzfristig verschoben wurde. Offiziell ist von organisatorischen Schwierigkeiten und ungeklärten Leihgaben die Rede. Weder die Veranstalter noch Rogers' Stiftung haben sich ausführlicher zu den Hintergründen geäußert.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine weitere Investition Rogers': Erst vor Kurzem finanzierte er eine Forschungsexpedition auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Welche Ziele die Expedition verfolgt und welche Ergebnisse sie bislang hervorgebracht hat, ist nur teilweise bekannt. Ob die Forschungen mit der geplanten Ausstellung zusammenhängen, ist unklar. Angesichts der zeitlichen Nähe erscheint ein Zusammenhang jedoch denkbar.

Handelt es sich um unabhängige Projekte – oder gibt es eine Verbindung, über die bislang nicht gesprochen wird?

Ein Netzwerk persönlicher Verbindungen

Bei unseren weiteren Recherchen zu Rogers' Umfeld sind wir auf mehrere Namen gestoßen, die in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder auftauchen. Darunter befinden sich Unternehmer, Wissenschaftler und Förderer, die an verschiedenen Forschungsprojekten und internationalen Kulturvorhaben beteiligt sind.

Einige dieser Personen stehen miteinander in Verbindung, obwohl sie beruflich in völlig unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Mehrere tauchen zudem im Umfeld von Organisationen und Projekten auf, deren Strukturen ungewöhnlich undurchsichtig sind.

Berlin_Neues_Museum_720 Neues Museum (Berlin)

Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Treffen Rogers' mit Rolf Maasen in Berlin. Nach unseren Informationen besuchten die beiden gemeinsam eine Ausstellung im Neuen Museum. Ob sie sich tatsächlich für die ausgestellten Werke interessierten oder das Museum vor allem als diskreten Treffpunkt nutzten, ist nicht bekannt.

Maasen ist in mehreren Aufsichtsräten tätig und investiert über eine eigene Gesellschaft vor allem in Künstliche Intelligenz. Er gehört zu den Mitgründern von WiGo, einem Technologieunternehmen, das sich auf KI-gestützte Systeme spezialisiert hat.

Unserem Rechercheteam liegen Hinweise vor, dass Maasen innerhalb eines informellen Netzwerks tätig ist, das unter dem Namen „Die Kooperation“ bekannt sein könnte. Auch Rogers lässt sich über persönliche Kontakte mit Personen aus diesem Umfeld in Verbindung bringen. Ob er selbst diesem Netzwerk angehört und welche Rolle er darin möglicherweise spielt, können wir bislang nicht belegen.

War der gemeinsame Museumsbesuch tatsächlich nur das kulturelle Interesse zweier Investoren – oder diente er einem vertraulichen Austausch?

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